Urlaub: Erinnerung, Erwartung und ein schlechtes Gewissen
Über Milchreis auf Langeoog, den Geruch alter Strandkörbe, eine Klapperschlange in den USA — und die Frage, warum Kindern völlig egal ist, wo sie sind.
11.09.2026 106 min
Zusammenfassung & Show Notes
Robin flog als Kind sechsmal im Jahr in der Cessna seines Großvaters nach Langeoog. Raphael erinnert sich weniger an Orte als an Gerüche: salzgegerbtes Holz, vergilbte Wellblechdächer, fünfundzwanzig Generationen Sonnencreme. Daraus wird die Frage, warum Kindern völlig egal ist, wohin sie fahren — und Erwachsenen nicht. Unterwegs geht es außerdem um Norwegens Öl, um die Frage, wie man etwas genießt, von dem man weiß, dass man Teil des Problems ist, und darum, dass die schönsten Urlaubserinnerungen fast nie von dem Ort kommen, wegen dem man hingefahren ist.
Die erste Frage der Folge ist einfach: Woran erinnerst du dich, wenn du an dein erstes Reiseziel denkst?
Bei Robin ist es Langeoog. Sechsmal im Jahr, manchmal siebenmal, in der Cessna des Großvaters, Flugzeit dreiviertel Stunde mit Rückenwind. Der Fahrradverleih als erste Anlaufstelle, Milchreis mit Zimt und Zucker in einem Imbiss am Strand, die Schmuggelkiste unter dem Leuchtturm voller Dinge, die kein Mensch braucht.
Bei Raphael ist es kein Ort, sondern ein Geruch. Die zusammengenagelten Holzverschläge am Strand, das salzgegerbte Holz, die vergilbten Wellblechdächer, die Mischung aus Frittenfett und Meeresluft. Und dieser Kunststoffbezug im Strandkorb, in dem fünfundzwanzig Generationen Sonnencreme stecken.
Von dort geht es weiter: Skiunfall in Oberstdorf, eine Videokamera, die abends um elf an einer Strandpromenade auf Fuerteventura verkauft wird, weil der Verkäufer einen Onkel in Wuppertal hat. Mallorca und die Frage, was von der Insel übrig bleibt, wenn man nur an den Ballermann denkt. Norwegen mit dem Wohnmobil, die Fähre über den Skagerrak, ein beschlagnahmter Wellensittich und fünf Kilo geschmuggelte Kartoffeln unterm Bett.
Und dann die Frage, um die es eigentlich geht: Als Kind war es völlig egal, wo man war. Warum ist es das als Erwachsener nicht mehr?
Der zweite Teil dreht sich um das, was hinter dieser Erwartungshaltung liegt. Norwegens Wohlstand kommt aus Öl, das Land will in wenigen Jahren emissionsfrei sein, beides gleichzeitig. Wer trägt die Verantwortung: der, der fördert, oder der, der verbrennt? Und was heißt das für jemanden, der gerade selbst aus dem Urlaub kommt? Wir werden uns nicht einig, und das ist in Ordnung.
Am Ende zwei Geschichten aus den USA, die keiner geplant hat: ein Kojote auf einem Hochplateau und eine Klapperschlange an einem Aussichtspunkt. Zehn Jahre her, und beide sind präsenter als jedes Foto vom Grand Canyon.
ERWÄHNT IN DIESER FOLGE
Langeoog, Wangerooge und Borkum
Oberstdorf
Fuerteventura
Mallorca und die Proteste gegen Overtourism
Norwegen: die Fjorde, die Lofoten, Trolltunga
Norsk Oljemuseum in Stavanger. Ausdrückliche Empfehlung, auch mit Kindern. Rund eine Stunde, direkt am Wasser, mit Bohrinsel als Indoorspielplatz
Paris und die französische Atlantikküste
Kalifornien: Los Angeles und das Gamble House in Pasadena, bekannt als Doc Browns Haus aus Zurück in die Zukunft
KORREKTUR
Vier Dinge, die wir im Gespräch falsch oder ungenau gesagt haben.
Bei den alten Währungen bringen wir etwas durcheinander: Der Schilling war die Währung Österreichs, Italien hatte die Lira.
Norwegens HDI liegt nicht bei 0,99998, sondern bei rund 0,97. Damit weltweit an der Spitze, aber eben nicht bei fast eins.
Zero Landwirtschaft stimmt so nicht. Norwegen hat Landwirtschaft, sie ist aufgrund von Klima und Topografie nur klein und stark subventioniert.
Die Bemerkung über Milben in der Lachszucht ist zugespitzt und nicht belegt. Lachsläuse sind ein reales und diskutiertes Problem der norwegischen Aquakultur, aber der Satz, wie er fällt, ist keine Tatsachenbeschreibung.
DIE KAFFEEKASSEN-REGEL
Wer hier etwas Falsches behauptet und es zugeben muss, zahlt zwei Euro. Mit den vier Korrekturen oben: Stand nach dieser Folge zwölf.
MITMACHEN
Was war euer erstes Reiseziel, und woran erinnert ihr euch wirklich? Schreibt es uns.
Instagram: instagram.com/pooltalk_palmsprings
NÄCHSTE WOCHE
Ein Samstag im Jahr 1996.
CREDITS
Pool Talk Palm Springs mit Raphael und Robin.
Schnitt und Mastering: machnkoppzu Production, Studio 2
Bei Robin ist es Langeoog. Sechsmal im Jahr, manchmal siebenmal, in der Cessna des Großvaters, Flugzeit dreiviertel Stunde mit Rückenwind. Der Fahrradverleih als erste Anlaufstelle, Milchreis mit Zimt und Zucker in einem Imbiss am Strand, die Schmuggelkiste unter dem Leuchtturm voller Dinge, die kein Mensch braucht.
Bei Raphael ist es kein Ort, sondern ein Geruch. Die zusammengenagelten Holzverschläge am Strand, das salzgegerbte Holz, die vergilbten Wellblechdächer, die Mischung aus Frittenfett und Meeresluft. Und dieser Kunststoffbezug im Strandkorb, in dem fünfundzwanzig Generationen Sonnencreme stecken.
Von dort geht es weiter: Skiunfall in Oberstdorf, eine Videokamera, die abends um elf an einer Strandpromenade auf Fuerteventura verkauft wird, weil der Verkäufer einen Onkel in Wuppertal hat. Mallorca und die Frage, was von der Insel übrig bleibt, wenn man nur an den Ballermann denkt. Norwegen mit dem Wohnmobil, die Fähre über den Skagerrak, ein beschlagnahmter Wellensittich und fünf Kilo geschmuggelte Kartoffeln unterm Bett.
Und dann die Frage, um die es eigentlich geht: Als Kind war es völlig egal, wo man war. Warum ist es das als Erwachsener nicht mehr?
Der zweite Teil dreht sich um das, was hinter dieser Erwartungshaltung liegt. Norwegens Wohlstand kommt aus Öl, das Land will in wenigen Jahren emissionsfrei sein, beides gleichzeitig. Wer trägt die Verantwortung: der, der fördert, oder der, der verbrennt? Und was heißt das für jemanden, der gerade selbst aus dem Urlaub kommt? Wir werden uns nicht einig, und das ist in Ordnung.
Am Ende zwei Geschichten aus den USA, die keiner geplant hat: ein Kojote auf einem Hochplateau und eine Klapperschlange an einem Aussichtspunkt. Zehn Jahre her, und beide sind präsenter als jedes Foto vom Grand Canyon.
ERWÄHNT IN DIESER FOLGE
Langeoog, Wangerooge und Borkum
Oberstdorf
Fuerteventura
Mallorca und die Proteste gegen Overtourism
Norwegen: die Fjorde, die Lofoten, Trolltunga
Norsk Oljemuseum in Stavanger. Ausdrückliche Empfehlung, auch mit Kindern. Rund eine Stunde, direkt am Wasser, mit Bohrinsel als Indoorspielplatz
Paris und die französische Atlantikküste
Kalifornien: Los Angeles und das Gamble House in Pasadena, bekannt als Doc Browns Haus aus Zurück in die Zukunft
KORREKTUR
Vier Dinge, die wir im Gespräch falsch oder ungenau gesagt haben.
Bei den alten Währungen bringen wir etwas durcheinander: Der Schilling war die Währung Österreichs, Italien hatte die Lira.
Norwegens HDI liegt nicht bei 0,99998, sondern bei rund 0,97. Damit weltweit an der Spitze, aber eben nicht bei fast eins.
Zero Landwirtschaft stimmt so nicht. Norwegen hat Landwirtschaft, sie ist aufgrund von Klima und Topografie nur klein und stark subventioniert.
Die Bemerkung über Milben in der Lachszucht ist zugespitzt und nicht belegt. Lachsläuse sind ein reales und diskutiertes Problem der norwegischen Aquakultur, aber der Satz, wie er fällt, ist keine Tatsachenbeschreibung.
DIE KAFFEEKASSEN-REGEL
Wer hier etwas Falsches behauptet und es zugeben muss, zahlt zwei Euro. Mit den vier Korrekturen oben: Stand nach dieser Folge zwölf.
MITMACHEN
Was war euer erstes Reiseziel, und woran erinnert ihr euch wirklich? Schreibt es uns.
Instagram: instagram.com/pooltalk_palmsprings
NÄCHSTE WOCHE
Ein Samstag im Jahr 1996.
CREDITS
Pool Talk Palm Springs mit Raphael und Robin.
Schnitt und Mastering: machnkoppzu Production, Studio 2